Ehre: Definitionen und Geschichte

Ehre! Ein Wort, welches in der modernen westlichen Gesellschaft sichtlich an Bedeutung verloren hat undEhre - Definitionen und Geschichte durch das Gewissen und den Glauben an den Rechtsstaat ersetzt wurde. Doch nicht nur die Ehre, sondern auch die mit diesem zusammenhngende Begriffe wie Wrde und Respekt wurden ad acta gelegt. Auch die gegenteiligen Wrter, die Schande oder der Ehrverlust (Demtigung/Verleumdung) finden heute kaum mehr Raum im Alltglichen.
Sprachgeschichtlich geht der Begriff Ehre auf den griechischen Begriff fr Ansehen und den lateinischen Begriff der Ehrung zurck. In der germanischen Welt ist die eigene Ehre an gewissen Anforderungen der Sittlichkeit gebunden, z.B. der Tapferkeit.

Ehre wird dermaen definiert, das sie ein abstraktes Konzept darstellt, welches die Wrde und das Ansehen, aber auch die soziale Stellung und die Selbsteinschtzung eines Menschen oder einer Krperschaft wie der einer Familie, Gemeinschaft, Institution oder Nation reprsentiert. Die Ehre selbst wird durch den Ehrenkodex oder auch den Moralkodex der jeweiligen Gesellschaft definiert.

Alles in allem ist Ehre stets von gesellschaftlicher Bedeutung. So verliert derjenige, der gegen die Regeln seiner Gemeinschaft verstt seine Ehre, wird also gedemtigt. So kann in Gesellschaften mit eigenen Wertesystemen die Ehre auf vielfache Weise wiederhergestellt werden, sei es durch (Blut-)Rache, Duell oder Ehrenmord.

Ehre – als komplettes ethisches und soziales Konzept – besteht aus den Persnlichkeitsmerkmalen: Loyalitt, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Grozgigkeit, Wrde und Tugendhaftigkeit. Das russische Wrterbuch definiert Ehre als innere moralische Wrde, Mut, Ehrlichkeit, Edelmut der Seele und gutem Gewissen.

Im europischen Mittelalter galt die Ehre nicht nur als Besttigung der eigenen Integritt und des Rangs, sondern reprsentierte auch die Menge der eigenen Besitztmer. Ging es um die Ehre, setzte jemand nicht nur seinen Ruf und Rang aufs Spiel, sondern auch seine Gter.

Im feudalen Japan galt Bushido, der Ehrenkodex fr Krieger. Hierin wurde die Ehre als Pflicht des Samurai angesehen. Hatte er seine Ehre verloren, galt der Tod als einziger Ausweg diese wiederzuerlangen. Die einzige Mglichkeit ehrenvoll zu sterben war, in einem Kampf mit dem Schwert gettet zu werden.

Eine Betonung der Wichtigkeit der Ehre besteht in traditionellen Institutionen wie dem Militr, aber auch in Organisationen mit militrischem Ethos, wie Pfadfindern oder Burschenschaften.

Heutzutage findet sich der Ehrbegriff vor allem im traditionsverbundenen Kulturen (z.B. Sditalien, Polen, aber auch in der muslimischen Kultur) wieder. Generell neigen Feudale- oder Agrargesellschaften mehr zu Ehrverhalten und Ehrenkodizes als moderne Industriegesellschaften.

Gem einer Studie von Allan Dafoe („Honor and War) steigt das Risiko fr kmpferische Konflikte je strker die Ehrenkultur einer Gesellschaft ausgeprgt ist.

Die Ehre und das Ehrverhalten, also die Reputation eines Einzelnen ist besonders in solchen Gesellschaftsstrukturen von Bedeutung, in denen die Gesellschaft staatliche Strukturen, die fr Recht und Ordnung stehen vermissen lassen.

Es ist hervorzuheben, dass Ehre vor allem mit Mnnlichkeit und physischem Mut verbunden ist. Entsprechend konnten und knnen in Ehrgesellschaften nur Mnner Ehre erwerben, vergrern oder auch vermindern. Nach A. Block (Eer en de fysieke persoon) gelten Frauen in Ehrgesellschaften als das Eigentum des Mannes, ihre einzige Option auf Ehre liegt in der Tugendhaftigkeit, also die Jungfrulichkeit vor der Ehe und die damit einhergehende Sexualmoral. War diese verloren, waren die Frau ehrlos und konnte diese auch nicht zurckgewinnen.

Nach Richard Nistet entstehen Kulturen der Ehre, wenn drei Bedingungen erfllt sind:

  1. eine knappe Ressource oder ein Mangel an Ressourcen (z.B. Armut)
  2. Situationen, in denen der Nutzen von Diebstahl und Kriminalitt die Risiken berwiegt
  3. eine Strafverfolgung existiert nicht, ist lax oder korrupt

Zusammenfassend stellt der Ehrenkodex eine Richtlinie oder auch Rechtskultur dar, der die sozialen Beziehungen innerhalb einer Gesellschaft regelt, insbesondere bei der Abwesenheit oder Unttigkeit von rechtsstaatlichen Strukturen.

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Ehre: Definitionen und Geschichte

von Gerrit Harre Lesezeit: 3 min
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